Tourtagebuch: Von Barockparks und anderen Bühnen – ein langes Wochenende zwischen Spätzle und Spreewaldgurken

Der Wecker klingelte früh an diesem Freitagmorgen. Schnell wurde ein Kaffee runtergespült, Zahnbürste und Wechselschlüpfer eingepackt und ab ging’s zum Fools-Proberaum. Ein langes Wochenende im Schwabenländle und im Spreewald stand uns bevor.

In der morgendlichen Meisterschaft im Band-Equipment-Schleppen konnte etwas überraschend, aber dennoch verdient das eins zu null für die Fools Vs Bandbus erzielt werden. Angesichts der Massen an Technik, Instrumenten und anderem Gedöns (vgl.: Musiker, der/die) wurde ein spontaner Umbau des Busses fällig, wonach dieser doch noch den glücklichen späten Ausgleich landen konnte. Bei schönstem Sommerwetter brachte uns das nun bis oben hin vollbepackte Gefährt zum Frühstücken in den Thüringer Wald (original Thüringer Rostbratwurst mit Senf, was sonst?) und dann …in die Kälte.

 

Ludwigsburg

BaWü empfing uns mit einem Temperatursturz von 15 Grad und einer grauen Wolkendecke. Die fünf frierenden Fools, die da in Shirts, Shorts und Flip-Flops aus dem Bus ausstiegen, brachten das Orga-Team des Internationalen Straßenmusikfestivals in Ludwigsburg zu einem mitleidsvollen Lächeln. Sollte der erste Abend bei der 10. Auflage des Internationalen Straßenmusikfestivals ins Wasser fallen? Nein! Auch wenn es etwas frisch war, schallte doch von allen Bühnen im Ludwigsburger Barock-Park bis in die späte Nacht hinein Herzerwärmendes bis Einheizendes. Und wir, quasi als alte Hasen im Park, waren ordentlich und mittlerweile auch schon zum vierten Mal mit von der Partie. Straßenmusik, das heißt bei uns: Fools-Sound im „unplugged“-Anstrich, Akustik-Gitarre statt zerrender E-Klampfe und statt des E-Basses ein nicht immer leicht zu identifizierender elektrischer Kontrabass („Was isch des für a Instrument?“).

Weiter ging es am Sonnabend, der seinem Namen dann auch tatsächlich alle Ehre machte und wieder viele Tausend Besucher zum Festival in die schöne Kulisse des Barockparks nebst Schloss lockte. Während jene Besucher gemütlich schlendern und entdecken konnten, hieß es für uns eiligst mit Sack und Pack von einem Auftritt zum Anderen zu kommen, wobei uns mitunter ganze Scharen alter und neuer Fans hinterherpilgerten. Nicht nur die Bühnen im Park wurden von uns in Rotation bespielt, sondern auch – ganz im Sinne der Straßenmusik – das Flanierpflaster zwischen den Bühnen. Für die Verstopfung der Hauptwege wollen wir uns hiermit entschuldigen!

…Es wurde spät an diesem Samstag und mit der nächtlichen Session der Musiker im Künstlerquartier mussten wir uns dann leider wieder von „Lubu“ verabschieden. Wie auch in den letzten Jahren war es wieder wunderschön beim Festival, das Ambiente und die Stimmung dort sind einfach fantastisch. Ein großer Dank geht an dieser Stelle an die Veranstalter des Festivals und natürlich auch ganz besonders an die vielen Menschen, die unsere Auftritte für uns zu einem Highlight machten.

 

Burg im Spreewald

Nach zu wenig Schlaf hieß es, sich am Sonntagmorgen aufzurappeln. Unser Spreewaldkahn wartete schon, um uns über die Autobahnen des Landes ins südliche Brandenburg zu befördern. Eine nicht ganz unbekannte deutsche Band war an diesem Abend zu Gast in Burg im Spreewald und wir als Support geladen. Nach der Ludwigsburger Straßenmusik war nun unsere Großbühnentauglichkeit gefragt. Die Akustik-Gitarren wurden also wieder eingemottet und dafür die dicken Verstärker aus dem Bus geholt. Auch wenn wir vermutlich ein Kontrastprogramm zum Hauptact des Abends geboten haben, kam unser Konzert sichtlich gut an und versetzte die „Wies’n“ vor der Bühne schon mal in gute Stimmung für eben jene Band, welche eine deutsche Hauptstadt in ihrem Namen trägt (…nein, nicht die Bremer Stadtmusikanten).

Ziemlich erschöpft bahnten wir uns schließlich unseren Weg durch eine gewittrige Nacht nach Hause, wo das lange Fools-Wochenende wie so oft aufhörte, wie es begann: mit dem Schleppen des Equipments in zwei verschiedenen Ausführungen.